Latein

Warum sollte man heute noch Latein lernen? Viel eher sollte man fragen, WARUM NICHT?

 

Latein – Mutter der europäischen Sprachen

Die alten Römer haben durch Ihre Expansion (Ausbreitung) fast überall in Europa ihre kulturellen Spuren hinterlassen. Die wahrscheinlich tiefste dieser Spuren hinterließ die von ihnen gesprochene Sprache, die vor 2000 Jahren die allgemeingültige Handelssprache war – wie heute das Englische. (Mehr als 50% aller Wörter der englischen Sprache sind im Übrigen lateinischen Ursprungs.)

Folgende Auflistung liefert einen kleinen Einblick in die enge romanische Sprachenverwandtschaft:

Latein

Franz.

Span.

Italien.

Portug.

Deutsch

Fremdwort

amare

aimer

amar

amare

amar

lieben

amourös

bonus

bon

bueno

buono

bon

gut

Bonität

flores

fleurs

flores

fiori

flores

Blume

Floristik

lingua

langue

lengua

lingua

lingua

Sprache

Linguistik

Man sieht also, dass Latein eine Brücke schlägt, zu vielen modernen Fremdsprachen und somit eine sehr wertvolle Grundlage für das Erlernen anderer Sprachen bildet.

 

Latein – Reiseführerin in die Kultur 

Wer Latein lernt, lernt auch viel über Kultur. Denn die antike Sagenwelt ist fester Bestandteil im Lateinunterricht. Diese Mythen (z.B. über Ikarus, Europa, Prometheus, Odysseus und Herkules u.v.m.) sind für die Schüler/ innen spannend und finden sich auch in zahlreichen Kunstwerken wieder, da sie viele Künstler/ innen in ihrer Fantasie inspiriert haben und noch  heute inspirieren. Interessant sind auch die historischen Vergleiche zwischen der antiken und der heutigen Welt, da im europäischen Raum bis weit ins 19. Jahrhundert Latein die Weltsprache der Gelehrten war. 

 

Latein – Lehrerin für die Sprache Deutsch

Deshalb fällt es Lateinlernenden deutlich leichter, wissenschaftliche Texte, die viele Fremdwörter enthalten, zu verstehen, weil sie sich die Bedeutung ableiten können. Oder wüssten Sie / wüsstet ihr auf Anhieb, was der Latissimus dorsi (seitlicher Rückenmuskel), ein Debitor (Schuldner) oder eine condictio ex lege (gesetzliches Rückforderungsrecht) sein sollen? 

Weiterhin hilft der Lateinunterricht dabei, die Fähigkeiten in der deutschen Sprache insgesamt zu verbessern. Wer Latein lernt, wird sehr wahrscheinlich bessere Noten im Fach Deutsch erhalten!

Denn wer aus dem Lateinischen übersetzt, muss darauf achten, dass er dabei gutes Deutsch schreibt. Insofern trägt die Beschäftigung mit lateinischen Texten zu einer Erweiterung des Wortschatzes im Deutschen bei und fördert grammatische Kenntnisse, da die gesamte deutsche Schulgrammatik auf der lateinischen Terminologie (Begrifflichkeit) aufbaut:

Grammatischer Fachbegriff

Erklärung

Herleitung aus dem Lateinischen

Dativ

Der dritte Fall -> Frage: Wem?

dare = geben (Wem gebe ich etwas?)

Adverb

Wortart: Beschreibt die Handlung

ad verbum = beim Verb

(Ein Wort, das beim Verb steht)

Präposition

Verhältniswort

prae = vor / positum = gestellt

(einem Substantiv vorangestellt)

Präteritum

Zeitform der Vergangenheit

praeter = vorbei / itum = gegangen (Etwas, das vorbeigegangen ist)

 

Latein – Türöffnerin für viele Studiengänge

Wer erfolgreich Latein lernt, kann verschiedene Abschlüsse erlangen: Das kleine Latinum wird am Ende von Jahrgang 10 verliehen, das Latinum am Ende von Jahrgang 11 und das Große Latinum nach Jahrgang 12. Diese Qualifikationen sind bundeseinheitlich anerkannt und dienen gleichzeitig als Zugangsvoraussetzungen zu vielen Studiengängen in Deutschland oder anders ausgedrückt: Wer kein Latein gelernt hat, darf an vielen Universitäten all diese Fächer NICHT studieren:

Magisterstudiengänge

      Lehramtsstudiengänge

  • Germansitik Anglistik, Romanistik, Orientalistik 
  • Archäologie
  • Geschichtswissenschaften
  • Kunstgeschichte
  • Musikwissenschaften
  • Pädagogik
  • Philosophie
  • Englisch
  • Französisch, Italienisch, Spanisch
  • Geschichte
  • Kunst 
  • Latein / Altgriechisch
  • Theologie
  • Philosophie

(Darüber hinaus sind Lateinkenntnisse auch für ein Medizin- oder Jurastudium hilfreich.)

 

 

Häufig gestellte Fragen – FAQ (frequently asked questions – frequenter = häufig / quaestio = Frage)

  1. Ist Latein nicht viel schwieriger als eine moderne Fremdsprache?

Latein ist nicht schwieriger als Französisch oder Spanisch. Dort müssen genauso Vokabeln gelernt, grammatische Formen beherrscht und verstanden werden. Latein unterscheidet sich jedoch grundlegend von allen modernen Fremdsprachen: Es geht im Lateinunterricht nicht darum, Latein sprechen zu lernen, sondern um den Erwerb der Übersetzungsfähigkeit. Deshalb kommt es auch weniger auf Aussprache oder Rechtschreibung (der lateinischen Sprache) an. Denn Latein ist eine Sprache, die aus der Vergangenheit zu uns spricht. Ihr Kind wird in die Lage versetzt werden, literarische Texte und wissenschaftliche Quellentexte lesen und verstehen zu können. 

  1. Es spricht doch heute niemand mehr Latein – Ist das nicht eine veraltete, tote Sprache ?

Moderner Lateinunterricht ist immer darauf bedacht, nach dem Grundsatz „Quid ad nos?“ – „Was geht es uns an?“ zu fragen. Das bedeutet, dass wir stets einen Bezug zwischen der antiken Welt und der jetzigen realen Lebenswelt herstellen. Wichtig ist außerdem, dass sich wesentliche Grundsatzfragen der menschlichen Existenz niemals ändern: Was ist der Sinn des Lebens? / Warum und wie lieben wir? / Wie gehe ich mit meiner Zeit um? Deshalb ist es unser Anliegen, gemeinsam Antworten auf diese und viele weitere relevante Fragen zu finden.

  1. Was macht Latein an der Herschelschule so besonders?

Ich bin seit fast 10 Jahren Fachleiter für Latein am Studienseminar Hannover II und stehe als Ausbilder von Gymnasiallehrkräften für einen modernen, schülerorientierten Lateinunterricht. Zwei unserer Lehrkräfte habe ich selbst ausgebildet und kann für deren besondere Unterrichtsqualität an der Herschelschule garantieren.

Was den Lateinunterricht bei uns außerdem noch besonders attraktiv macht, ist die Tatsache, dass in relativ kleinen Lerngruppen intensiv gelernt wird, da die Schulleitung das Fach schon immer unterstützt hat und auch „kleine Kurse“ ermöglicht. So können wir Lehrkräfte uns viel intensiver mit den Lerner*innen beschäftigen und sie besser individuell fördern als in großen Sprachkursen.

Letzlich sind noch unsere Lateinfahrt in die Römerstadt Trier, bei der wir uns original erhaltene Bauwerke aus der Römerzeit in spannenden Erlebnisführungen ansehen, sowie die Lateinexkursion nach Kalkriese zum Schauplatz der Varus-Schlacht zu erwähnen, der viele einzigartige Funde aus dieser Zeit präsentiert.

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