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Herschels gewinnen Bronze beim JUNIOR Landeswettbewerb für Niedersachsen 2018

Wie lernt man Wirtschaft eigentlich am besten kennen? Natürlich in der Praxis!

Getreu diesem Motto gründeten Schülerinnen und Schüler des zehnten und elften Jahrgangs der Herschelschule Hannover die Schülerfirma „Woodpeckers“, die sich zum Ziel gesetzt hat, sich am realen Markt zu behaupten. Zu Beginn der Unternehmensgründung stand die Idee für das Grundkonzept: die Herstellung von Upcycling-Produkten – das heißt, scheinbar nutzlose oder nicht funktionstüchtige Dinge oder Abfälle in neuwertige Produkte umwandeln. „Warum wegschmeißen, wenn man es noch nutzen kann?“, sagt der Vorstand der Schülerfirma Jonas Bönnighausen, der sich von Anfang an für das Projekt engagierte.

Aus diesem Nachhaltigkeitsgedanken wurde mit viel Eifer und harter Arbeit in den wöchentlichen Plenarsitzungen ein laufendes Unternehmen. Eigene Produkte wurden hergestellt, vermarktet und verkauft. Turnmatten und alte Landkarten wurden zu den neuen und trendigen Mäppchen „Karma“ recycelt, aus Paletten entstanden durch die Produktion die modernen Palettenbänke und der Palettentisch „Europa“.

Mit dem Ziel am Landeswettbewerb teilzunehmen, arbeitete die Firma gemeinsam als Team, schaffte es in die Auswahlrunde und erreichte am Ende einen stolzen dritten Platz mit einem Preisgeld von 200€. Somit gehören die Woodpeckers zu den drei besten Schülerfirmen Niedersachsens! „Der dritte Platz bei der allerersten Teilnahme ist ein toller Erfolg. Aber was die Schülerinnen und Schüler über Projektplanung und -durchführung und damit auch über das Arbeitsleben gelernt haben, ist das Entscheidende. Schülerfirmen sind die ideale Verbindung von Theorie und Praxis, von Schule und Beruf“, erklärt Frau Kamlah, die Schulleiterin der Herschelschule Hannover, als sie stolz auf die Auszeichnung der Woodpeckers blickt.

Neben dem Geld haben die Schülerinnen und Schüler auch tolle Erfahrungen generieren können. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in die betriebswirtschaftliche Praxis, lernten unterdessen enorm viel und konnten auf diesem Wege maßgeblich ihren eigenen Unternehmenserfolg mitgestalten. Ziele des JUNIOR-Programms sind neben der Berufsorientierung und dem Erwerb von Schlüsselqualifikationen auch die Förderung der Berufschancen von Jugendlichen, sowie die Vermittlung von wirtschaftlichen Kompetenzen. Seit dem Start 1994 haben über 100.000 Jugendliche an den JUNIOR_Programmen teilgenommen.

Die Woodpeckers blicken am Ende auf ein erfolgreiches Jahr zurück und freuen sich auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Projekts im nächsten Schuljahr. So ist der Aufbau eines Online-Shops in Planung, der eine größere Werbewirksamkeit und eine höhere Effizienz erreichen soll. Mit ihrer Kreativität und gemeinsamen Schaffenskraft werden sie sicherlich noch weitere Erfolge auch in Zukunft verbuchen können!

 

 

 

Wer radelt mit im Team Herschelschule?

Alle, die Rad fahren und sich der Herschelschule verbunden fühlen!
Viele Teams in Hannover radeln mit anderen Kommunen in Deutschland um die Wette. Ziele dabei sind der Klimaschutz und die Förderung des Radverkehrs. 
In diesem Jahr werden alle geradelten Kilometer zwischen dem 27. Mai und dem 16. Juni 2018 gesammelt. Als Team zu sammeln bedeutet dabei nicht, dass wir gemeinsam radeln müssen. Du fährst jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Schule und nachmittags nach Hause? Dann finde heraus, wie viele Kilometer du eintragen kannst. Und Sie fahren zweimal die Woche mit dem Fahrrad zum Sport? Ermitteln Sie die Fahrstrecke und tragen Sie die Kilometer ein.
Wer mitradeln und Kilometer sammeln möchte, registriere sich unter dem folgenden Link:  
https://www.stadtradeln.de/index.php?&id=171&team_preselect=347438


Noch bequemer geht´s mit der kostenfreien STADTRADELN-App 
(https://www.stadtradeln.de/app/). Auf das Smartphone (Android und iOS-Systeme) laden und Kilometer eingeben.
In der Region Hannover sind wir als „Team Herschelschule“ angemeldet.
Es wäre toll, wenn wir nicht nur viele angemeldete Teilnehmer/innen, sondern am Ende auch viele geradelte Kilometer vorweisen könnten.
Wir sind gespannt, wie viele Kilometer wir in diesem Jahr zusammenbekommen!

Clever mixen fürs Klima

Das war das Ziel eines Klima-Kochworkshops der 7m unter der Leitung eines Teams aus dem Umweltzentrum Hannover. Mit einer mobilen Küche kamen sie zu uns ins Klassenzimmer und brachten uns nahe, dass man auch mal warten können muss, bis z.B. Paprika in Deutschland wächst. In vier Gruppen mixten wir Smoothies mit den Namen Weltenbummler, Regionalcocktail, Roter Drache, Bio-Cocktail. Die Zutaten dazu wählten wir nach bestimmten Vorgaben aus. Während der Weltenbummler möglichst Früchte von anderen Kontinenten enthalten sollte, hatten wir beim Regionalcocktail die Aufgabe, Obst und Gemüse aus der näheren Umgebung auszuwählen. Die Anzahl der Kilometer, die ein Stück Obst bis in unser Klassenzimmer zurückgelegt hat, notierten wir uns, bevor es an das Zerschneiden, Zerkleinern und Mixen ging. 37.000 Kilometer hatten die Früchte für den Weltenbummler zurückgelegt – ein ziemlich leckerer Cocktail zwar, leider aber mit viel zu vielen Transportkilometern und damit mit viel zu vielen Abgasen verbunden. Also: Lieber Obst und Gemüse dann kaufen, wenn es in der Nähe wächst.
Text: Yasmina Qerimi, Alessandro Rabe, B. Eckermann

Mathematik mal anders…

 

Am 15.03. war es wieder soweit… Der Känguru-Wettbewerb, der in über 70 Ländern weltweit jährlich durchgeführt wird, wurde auch dieses Mal von knapp 200 Herschels der Jahrgangsstufen 5 bis 10 mit Wettkampfgeist in Angriff genommen. Unter dem Grundgedanken „Mathematik mal anders“ durften die Schüler/innen einmal ganz ohne Notendruck und in verschiedenen Themenfeldern knobeln, überschlagen, tüfteln und rechnen. Neben kleinen und großen Erfolgen in allen Jahrgangsstufen haben sich besonders unsere Jungen Nachwuchstalente Rida Koschützki (5B) und Devin Milstein (6B) hervorgetan.
Sie erreichten unglaubliche 92,5 bzw. 105 Punkte und erhielten für ihre bemerkenswerten Leistungen tolle Extragewinne.

Wir gratulieren allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu ihren Erfolgen und freuen uns schon auf das nächste Mal!

Ausstellung zur Jugendbuchwoche 2018

In der letzten Woche war es endlich wieder so weit:

In unserer Schülerbibliothek gab es eine Ausstellung zur Jugendbuchwoche von der Stadtteilbibliothek Vahrenwald. Fast alle Klassen der Jahrgänge 5 bis 7 hatten die Gelegenheit, neue Romane und Sachbücher kennenzulernen .

Nach einem „Bücherbingo“, bei dem Buchtitel nach den Klappentexten gefunden werden mussten, durfte jede und jeder nach eigenen Vorlieben schmökern. Es gab Comic-Romane, Minecraftbücher, Witziges und Nachdenkenswertes, Reales und Fiktives.

Nach einer Stunde waren viele Bücherwünsche notiert und nun werden bald einige der vorgestellten Bücher nicht nur in der Vahrenwalder Stadtteilbibliothek, sondern auch in unserer Schülerbibliothek ausgeliehen werden können.

Herschel-Sieger bei „Jugend gestaltet“

Über 1300 Schülerinnen und Schüler aus ganz Niedersachsen haben sich beworben, 159 haben es geschafft: Die Sieger des 19. Landeswettbewerbs „Jugend gestaltet“ zeigen ab Samstag, 14. April 2018, im Kunstmuseum Celle ihre ausgezeichneten Arbeiten.

Evin Demir, Aran Karim, David Sebode (Q2), Finn Louis Müller (Q1) und Alexander Filipenko (6c) von der Herschelschule gehören zu den SiegerInnen, deren Arbeiten bis zum 22. Mai 2018 ausgestellt sind.

Als bundesweit einzigartiges Erfolgsmodell steht der Wettbewerb „Jugend gestaltet“ unter der Schirmherrschaft von Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Hinter dem Wettbewerb steht das Engagement des Vereins „Jugend zeichnet und gestaltet e.V, der seit über 30 Jahren im Zwei-Jahres- Rhythmus die künstlerischen Fähigkeiten von jungen Menschen im Alter von 10 bis 20 Jahren fördert.

Herzlichen Glückwunsch an die Sieger in diesem Jahr!
Wir sind stolz auf Euch!

Herschelschülerin nimmt an „Jugend forscht” teil

Wien Mohamed, Jahrgang Q1 der Herschelschule, hat an dem Regionalwettbewerb für „Jugend forscht 2018” mit einer Arbeit aus dem Fachbereich Biologie zum Thema Leben im Glas? teilgenommen.

Wien untersuchte in ihrer Arbeit eigenständig, inwiefern ein Ökosystem im Glas ohne äußere Einflüsse Bestand haben kann. Sie hat dazu ein von ihr angelegtes Ökosystem über einen längeren Zeitraum beobachtet, die Veränderungen der Fauna und besonders der Flora dokumentiert und ihre Ergebnisse der Fachjury von „Jugend forscht” vorgestellt.

Wir gratulieren Wien sehr herzlich für diese bemerkenswerte Forschungsleistung!

Wir suchen DICH!

Ab 1.08.2018 suchen wir DICH, einen verlässlichen und engagierten jungen Menschen im Alter von 18-27 Jahren, der den Freiwilligendienst im Sport absolvieren möchte. Wir bieten dir ein interessantes Aufgabenfeld im Sport– und Ganztagsbereich unserer Schule.

Zu deinen Aufgaben gehören u.a

- die Betreuung des Freizeitbereichs,
- die Unterstützung im Sportunterricht und bei der Durchführung von sportlichen bzw. bewegten Pausenangeboten,
- die zusätzliche Begleitung und Unterstützung des Schwimmunterrichts,
- die Mithilfe bei der Organisation und Durchführung von Schulmeisterschaften, Turnieren und Wettbewerben,
- das Entwickeln und Anbieten sportlicher Angebote für den Pausen- sowie den AG-, Projekt- und Ganztagsbereich,
- die Unterstützung und Betreuung auf Freizeiten und Ausflügen

Du bist bei uns genau richtig, wenn du

- gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeitest möchtest,
- deine sozialen Kompetenzen weiter ausbauen möchtest,
- deine Eignung für einen sozialen, sportlichen Beruf oder das Lehramt überprüfen möchtest,
- Spaß daran hast, interessante Angebote für die Pausen- und den AG-Bereich zu entwickeln,
- dich für Sport im Allgemeinen interessiert und eventuelle Wartezeiten mit sozialem Engagement sinnvoll füllen möchtest.

Fühlst du dich angesprochen?
Dann mach doch den Freiwilligendienst an unserer Schule!

Bewerbungen gehen per E-Mail mit dem Betreff „FWD Sport“ an:

StD Henning Klingemann
Stellvertretender Schulleiter
Herschelschule Hannover
Ganztagsgymnasium mit Musikzweig
Großer Kolonnenweg 37
30179 Hannover
Telefon: 0511 / 168 - 48 120 
E-Mail: herschelschule@hannover-stadt.de

Bitte füg deiner Bewerbung noch folgende Unterlagen an:

• Lebenslauf

• Lichtbild

• Darstellung deiner bisherigen sportlichen Erfahrungen

• kurze Erklärung, warum du dich für einen FWD Sport interessierst

Weitere Informationen zur Stelle, der Arbeitszeit und Vergütung findest Du hier.

Wir freuen uns auf Dich!

 

Herzlichen Glückwunsch Caroline Herschel!

Die Namensgeberin unserer Schule hätte dieses Jahr ihren 271. Geburtstag feiern können! Eigentlich sollte Caroline Herschel Sängerin werden, doch ihre Faszination und Leidenschaft galt vielmehr den Rätseln des Universums! Sie zählt heute zu den bekanntesten deutschen Astronominnen.

Am 16. März 1750 in Hannover geboren, entdeckte Caroline Herschel im 18. Jahrhundert sieben Kometen und viele Doppelsterne. Sie berechnete die sogenannten astronomischen Reduktionen und erstellte einen Zonenkatalog, auf dem hunderte Sternhaufen und Nebel eingetragen waren. Schon ihr Vater und ihre Brüder, eine Familie von Hofmusikern, waren alle Bewunderer der Astronomie, doch Caroline sollte sich lieber den häuslichen Pflichten widmen, statt sich mit der Wissenschaft zu beschäftigen.

Zum Glück gab es also ihren älteren Bruder Wilhelm!
Er arbeitete als Musiker im britischen Bath und experimentierte nebenbei mit Teleskopen. 1781 entdeckte er den Planeten Uranus und wurde europaweit bekannt. Herschel war Sopranistin und suchte interessiert neben ihrer Arbeit selbst Nacht für Nacht den Sternenhimmel ab. So kam es zu den unglaublichen Entdeckungen von sieben Kometen!

Nach dem Tod ihres Bruders ging sie zurück nach Hannover und ordnete das umfangreiche Material, das ihr Bruder ihr hinterlassen hatte. Bedeutende Gelehrten suchten sie in ihrem Anwesen in der Marktstraße auf und sogar der König hatte Kontakt zu ihr. Sie war die erste Frau, der zahlreiche Auszeichnungen wie die „Goldmedaille der Royal Astronomical Society“ (1828) verliehen wurden.

Wir gedenken an diesem Tag einer bewundernswerten Frau – herzlichen Glückwunsch Caroline Herschel!

Text: Zoi Vasiliadis-Dogan

Unsinnig ist viel und nichts ist unsinniger als diese Geschichte?

Rezension zur Aufführung des Theaterstücks „Biedermann und die Brandstifter
(Max Frisch) am 15.02.2018

Schemenhaft schlendern Figuren über die im Halbdunkel liegende Bühne, lümmeln sich, beinahe gelangweilt, Zigarre rauchend auf Stühlen und Polstersesseln. Es sind, darauf verweisen die umgehängten Schilder, die Personen Putin, Assad, Trump, Erdogan, Kim Jong Un. Potentielle Brandstifter unserer gegenwärtigen Welt?

Man scheint zu warten, sendet beiläufig beobachtende Blicke Richtung Publikum, raucht, raucht. Gesprochen wird kein Wort, aber da sind akustische und musikalische Elemente, live eingespielt anfangs dezent, die schwelende Atmosphäre intensivierend. (professionell gespielt und dirigiert durch die Klasse 10 M, dargeboten werden: Game of Thrones- Ramin Djawadi, Chant du Soir – Robert Schumann und The Great Locomotive Chase – Robert W. Smith). So beginnt die Inszenierung von „Biedermann und die Brandstifter“, dargeboten vom Kurs Darstellendes Spiel, Jahrgangsstufe 9 der Herschelschule Hannover (Leitung und Regie: Th. Hamann), und man beginnt sogleich zu ahnen, dass es in dem Stück um Weltbewegendes gehen wird.

Licht kommt auf die Bühne, gezielt eingesetzt, fokussiert es den Blick: Der Zuschauer begibt sich als Beobachter in eine von gewissem Wohlstand geprägte Alltagswelt, in die gute Stube von Herrn Biedermann. Und dort sitzt er auch schon, der Hausherr, Zigarre rauchend, Zeitung lesend, sehr erbost über das Gelesene. In der Zeitung wird offenbar darüber berichtet, dass Brandstifter in seiner Stadt umgehen, sich bei unbescholtenen Bürgern einnisten und schließlich eine Brandkatastrophe herbeiführen. Biedermanns Empörung scheint kaum kontrollierbar  – da klingelt es an der Haustür. Die Handlung nimmt ihren Lauf:

Gottlieb Biedermann, Haarwasserfabrikant, gewährt, trotz feuergefährlicher Zeiten, widerwillig zwei ihm unbekannten zwielichtigen Gestalten Obdach: Schmitz und Eisenring. Sie nisten sich auf  Biedermanns Dachboden ein, lagern dort Benzinfässer, hantieren mit Zündschnur und Zündkapseln. Zwar fragt Herr Biedermann, zusehends verunsichert, mehrfach an, ob sie Brandstifter seien, lacht  dann aber mit den beiden, als diese unverschämt dreist bejahen und kommentieren: „Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.
Immer weiter liefert sich Biedermann der Situation bzw. den beiden Brandstiftern aus, auch wenn er sich bemüht, das drohende Unheil wenigstens von sich selbst abzuwenden – in bieder-männischer Manier, versteht sich. So schreckt er selbst vor Verbrüderungsversuchen mit den Brandstiftern nicht zurück, lädt sie zu einem Gänse-Essen ein während zeitgleich die ersten Gasometer in der Stadt explodieren.
Biedermann und die Brandstifter“, das wohl bekannteste Theaterstück von Max Frisch, uraufgeführt im März 1958 im Zürcher Schauspielhaus, hat thematisch auch heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Das „Lehrstück ohne Lehre“, so der Untertitel,  ist eine Parabel auf den Menschen schlechthin, der aus Bequemlichkeit, Angst, Dummheit und Feigheit zum Mitläufer wird, der versagt, weil er geistig gelähmt, selbstgefällig ist, für den es einfach bequem ist, alles beim Alten zu lassen – wider besseres Wissen.

Diesen Typus des Biedermannes, dem Behagen über alles geht, der auf der einen Seite gewissenlos über das Schicksal seines Mitarbeiters Knechtling bestimmt, auf der anderen Seite vor Angst zitternd sich den Brandstiftern zuletzt in einer schäbigen goldgelben Freizeitjacke anbiedert, verkörpert Jamal Degtyarev bemerkenswert sicher: facettenreiches Sprechen, differenzierte Mimik und Gestik. An seiner Seite zeigt sich überzeugend Marlene Bensemann in der Rolle der  Ehefrau Babette Biedermann: zart, dem Anschein nach gefühlvoll, tatsächlich aber bestenfalls sentimental. Spielerisch und motorisch verdeutlicht sie dies insbesondere über  körpersprachliche Veränderungen, indem sie ihren anfänglichen Status aufgibt und auch stimmlich nuanciert zunehmende Hilfslosigkeit vermittelt. Klar als Kontrastfiguren zu den gepflegt ausstaffierten Biedermanns sind die beiden Brandstifter als soziale Außenseiter angelegt und kostümiert: Elena Eggerichs spielt den nur zum Schein etwas plump wirkenden Ringer Josef Schmitz grandios, wenn sie lockeren Schrittes im braunen Nicki-Jogginganzug seelenruhig über die Bühne schlendert und bei konsequent verlangsamtem Sprechtempo in vorgetäuschter und entwaffnender Einfältigkeit ihr Ziel klar im Blick behält.  Agiler, eleganter gekleidet und eloquenter gibt Mehmet  Yilmaz den ehemaligen Kellner Eisenring, den spiritus rector, der in schwarzer Hose und Weste kalt, dreist und glatt, dabei tänzelnd, buckelnd, Herrn Biedermann und die bürgerliche Gesellschaft in Haltung und Sprache schamlos demaskiert. Die Zweiteilung der Figurenkonstellation wird gespiegelt in der Ausgestaltung des Bühnenbildes: Der Schauplatz, der während des gesamten Stückes nicht wechselt, weist zwei Ebenen auf, die, pantomimisch sehr gekonnt, mehrfach simultan bespielt werden: den mit Benzinbehältnissen zugestellten Dachboden, das Quartier der Brandstifter sowie den Wohnbereich der Biedermanns – wozu auch, quasi als lebendiges Statussymbol in Häubchen und Schürzchen, das Dienstmädchen Anna (stark: Celina Chiro) gehört. Der Zuschauer hat damit von Beginn an den Überblick über das Gesamte, wie auch Biedermann; der aber tut so, als nähme er nicht wahr, was sich direkt neben ihm abspielt; selbst dann nicht, als das gelungene  Zusammenspiel aller Figuren in die komödiantisch glänzend ausgeformte Jedermann-Szene mündet und dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht.

Und noch jemand scheint von Anfang an zu wissen, was hier eigentlich gespielt wird: eine Gruppe chorisch sprechender Figuren, die sich im Verlauf der Handlung immer wieder in Erscheinung bringt – kommentierend, monoton klagend, warnend, aber offensichtlich  unfähig, rechtzeitig einzugreifen – kenntlich gemacht als Vertreter der Presse. Dieser „Kunstgriff“ ist nachvollziehbar, auch wenn Frischs Spiel mit Funktion und Sprache des antiken Chors als tragendes und zentrales dramatisches Element nicht mehr so deutlich zur Geltung kommt.

Nach dem Finale – die Bühne ist in glutrotes Licht getaucht, das Orchester variiert (geniales Gestaltungselement !) den wohlbekannten Soundtrack von „Game of Thrones“ – verlässt der Zuschauer das Haus und weiß: Das Theater ist eine politische Anstalt !

Text: Gehsa-A.Kobs