Verrückt, aber weise. Gefangen, aber frei. Physiker, aber unschuldig!

Was ist die Verantwortung eines Wissenschaftlers?
Spielt das heutzutage noch überhaupt eine Rolle?

Diese Fragen schien sich auch der Autor Friedrich Dürrenmatt gestellt zu haben, als er das Drama die Physiker schrieb. In diesem Stück geht es nämlich um drei Physiker, die sich in eine Irrenanstalt einweisen lassen, wobei jeder seine eigenen Gründe dafür hat, die gegen Ende des Dramas in einen gemeinsamen Handlungsstrang zusammenfließen.

Da wäre Möbius, die Hauptfigur des Dramas, der als Wissenschaftler einen Durchbruch erlebt und die sogenannte Weltformel aufstellt, die in den falschen Händen zum Untergang der Welt, wie wir sie kennen führen könnte. Die anderen beiden Physiker, Einstein und Newton, sind eigentlich zwei Agenten, die sich in die Anstalt einschleusen, um Möbius für ihren jeweiligen Geheimdienst auszuspionieren. Einstein steht hierbei stellvertretend für den westlichen Geheimdienst und Newton für den östlichen, da der Ost-Westkonflikt zu Dürrenmatts Zeit, wie heute wieder, sehr stark ausgeprägt war.

Dieses Stück behandelt das Thema der Verantwortung eines Wissentschaftlers, der sowohl der Menschheit als auch den Unwissenden die Prinzipien der Welt offenbaren muss, aber ihr auch nicht den Schlüssel zur Zerstörung der Welt geben darf. Da die Weltformel aber beides vermag, gerät die Hauptfigur in einen inneren Konflikt, der ihn mit nur zwei Möglichkeiten bietet. Entweder er riskiert eine totale Zerstörung der Welt durch die Offenbarung seiner Formel und lebt in Reichtum oder er entscheidet sich für ein Leben in Armut und Einsamkeit, um die Menschheit zu schützen. Möbius entscheidet sich im Drama für letzteres und lässt sich in eine Anstalt einweisen. Er vertritt die Meinung: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht wieder zurückgenommen werden.“ Die Anstalt ist demnach der einzige Ort, wo er denken kann, ohne dass die Menschheit zu Grunde geht.

Diesen inneren Konflikt darzustellen gelingt dem Theaterkurs der zehnten Klassen sehr gut. Szenen, in denen Möbius den Verrückten spielt, vermitteln ein Gefühl der Unsicherheit und des Schocks. Einzelne Auffälligkeiten wie das plötzliche Schreien und die heiteren Reaktionen auf Morde übertragen das Bild eines tatsächlich Geisteskranken. Die ernsten und emotionalen Szenen des Möbius stehen dazu sehr gut im Kontrast und werden durch das Senken der Stimme und den Einsatz einer vorsichtigeren Sprechweise und Bewegung von Anna Pieper aus der 10B stark an den Zuschauer weitergetragen. Außerdem sticht auch die Rolle des Inspektors heraus. Bei beiden Besetzungen ist eine recht aggressive Interpretation der Figur zu beobachten, wobei das Spiel von Laura Bendryn hierbei etwas lauter und aggressiver mit größeren Bewegungen vorgeht, was ihre Inszenierung von der des Spielpartners Eduardo Nunes distanziert, diese war nämlich auch agreessiv geladen, aber auf eine eher passive Art, welche durch die Betonung des Sarkasmus des Charakters entstanden ist.

Die Inszenierung der Figur von Einstein hatte auch zwei sehr unterschiedliche Ansätze. Als Spielerin Jana Sauerbrei eine zurückhaltende Version Einsteins zeigte, nutzte Spieler Nema Almahfoud seine Körpergröße, um einige lustige Szenen beim Kräftemessen zwischen Newton und Einstein vorzuführen. So verliert er beispielsweise gegen seine sehr viel kleinere Gegenspielerin Vanessa Weichelt beim Armdrücken. Die technische Umsetzung durch Scheinwerfer und Spotlight wurde überzeugend und professionell durch die Technik-AG betreut, auch das Bühnenbild setzt sich durch Schattenspiele in Kombination mit Licht und Farbmotiven, die der Stimmung angepasst sind, deutlich ab und setzt so passende Akzente.

Musik braucht man natürlich auch und da ist es doch praktisch, dass unsere Schule über einen Musikzweig verfügt. Das Stück zeigt einige Szenen, in denen Einstein Geige spielt, die mit echten Geigen dargestellt wurden. Neben dem Geigenspiel haben sich Sebastian Hucke, Victoria Nguyen und Dilara Demirkoparan aus der Musikklasse dazu bereit erklärt, den Kampf zwischen Einstein und Newton musikalisch zu begleiten. Alles in allem waren es zwei sehr gelungene Inszenierungen sowohl vom Spiel, vom Bühnenbild als auch von der Musik.

Ein passendes letztes Geschenk, das Herr Thomas Hamann unserer Schule dargeboten hat, da dieser sich leider von dieser Schule verabschieden wird. Die Vorbereitungen und Proben waren sowohl fordernd als auch lohnend für alle Beteiligten und haben immer Spaß gemacht und das verdanken wir unter anderem seiner Unterrichtsgestaltung, deshalb auch hier noch mal alles Gute vom Theaterkurs. Wir werden Sie vermissen!

Text: Berdan Simsek (10b)