Sprachlernklasse

Die Sprachlernklasse unserer Schule wurde offiziell am 1.2.2014 eingerichtet. Sie besteht aus Schülerinnen und Schülern, die aus vielen verschiedenen Ländern wie z.B. aus Syrien, dem Iran, dem Irak, Afghanistan, dem Sudan, Polen, Italien, Rumänien, Moldawien und Bulgarien stammen und aus verschiedenen Gründen zu uns nach Hannover gekommen sind. Aus ihren Herkunftsländern bringen die Schülerinnen und Schüler meist gute bis sehr gute Zeugnisse mit und möchten natürlich ihren dort eingeschlagenen Bildungsweg bei uns fortsetzen. Dazu müssen sie bei ihrer Ankunft hier in der Regel erst einmal eins: Von Beginn an Deutsch lernen, denn die meisten von ihnen verfügen, wenn sie nach Deutschland kommen, über keinerlei Deutschkenntnisse.

Das Team, das aktuell in der Sprachlernklasse unterrichtet, besteht aus einem festen Stamm von ca. sieben Kolleginnen und Kollegen. Diese unterrichten 20 bzw. 17 Stunden Deutsch pro Woche, und der Unterricht in dem jeweiligen Fach umfasst zwei Stunden. Neben dem systematischen Spracherwerb in Deutsch als Zweitsprache geht es für die Schülerinnen und Schüler vor allem auch darum, die fachspezifischen Kompetenzen für den erfolgreichen Besuch einer Regelklasse zu erwerben, denn der Übergang in eine Regelklasse ist unser Ziel. In der Regel nehmen unsere Sprachlernklassenschüler von Beginn an in ausgesuchten Fächern auch am Unterricht einer Regelklasse teil und schreiben auch direkt die Klassenarbeiten mit. Jeder Schüler, der in der Sprachlernklasse lernt, hat einen individuellen Stundenplan, der sich vor allem auch danach richtig, wie sein Kenntnisstand in der deutschen Sprache ist. Um die Schülerinnen und Schüler der Sprachlernklasse effektiv fördern zu können, stehen wir Lehrer in einem permanenten Austausch miteinander und planen gemeinsam, wie wir die Kompetenzen weiterentwickeln können. Da für die Schülerinnen und Schüler der Sprachlernklasse in Deutschland Vieles neu ist, unterstützen wir sie darüber hinaus auch hinsichtlich ihrer Integration in das neue System bzw. die neue Gesellschaft.

Die Förderdauer in unserer Sprachlernklasse beträgt in der Regel ein Jahr, sie kann innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen und aufgrund verschiedener Gegebenheiten verlängert oder verkürzt werden. Die rechtlichen Grundlagen für die Arbeit in einer Sprachlernklasse sind unter anderem in dem Erlass „Förderung von Bildung und Teilhabe von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache“ festgelegt, der am 1. August 2014 in Kraft getreten ist. Weitere Grundlagenerlasse, Erlasse für die jeweilige Schulform, die Kerncurricula und schulinternen Lehrpläne für die einzelnen Fächer sowie die Rahmenrichtlinien Deutsch als Zweitsprache bilden weitere Bezugspapiere für die Arbeit in der Sprachlernklasse. Aufgrund der Zusammensetzung unserer Sprachlernklasse ergibt sich eine natürliche Mehrsprachigkeit, die sich sehr gut für Sprachvergleiche eignet und somit in besonderer Weise die Ebene der Metakognition fördern kann, die für das Erlernen und den Erwerb von weiteren Sprachen sehr sinnvoll sein kann.

Natürlich müssen die Schülerinnen und Schüler der Sprachlernklasse auch die Auflagen hinsichtlich der beiden schulischen Pflichtfremdsprachen erfüllen und deshalb auch am Unterricht der ersten und zweiten Pflichtfremdsprache teilnehmen, ggf. lernen sie bei uns ab der zehnten Klasse Spanisch als 2. Fremdsprache neu. Unter bestimmten Bedingungen können sie aber auch eine der beiden schulischen Pflichtfremdsprachen durch eine Prüfung in ihrer Herkunftssprache ersetzen. So hatten wir in der letzten Zeit an unserer Schule Prüfungen in z.B. Suaheli und Russisch.

Für die Unterrichtenden bedeutet die Zusammensetzung der Sprachlernklasse u.a., dass bei der Unterrichtsvorbereitung und –durchführung mehrere Lernvoraussetzungen und Altersklassen berücksichtigt werden müssen und verschiedene sprachliche Niveaus bedient werden. Eine hohe Bereitschaft zum eigenverantwortlichen Lernen, zur eigenen Kontrolle von Lernprozessen, zur Verantwortung für die Mitlernenden, Vertrauen, Kreativität, ein hohes Maß an Flexibilität und Offenheit, Verständnis für interkulturell bedingte Unterschiede und auch viel Humor wird den Lernenden abverlangt. Wenngleich die Situationen teilweise neu, ungewohnt und auch nicht immer „vorhersehbar“ sind, empfinden wir Unterrichtenden die Arbeit in unserer Sprachlernklasse als enorme Bereicherung, und wir haben viel Freude an dieser Arbeit. Durch besonderen Lerneinsatz erzielen viele Schülerinnen und Schüler unserer Sprachlernklasse innerhalb kurzer Zeit gute Ergebnisse.

Die Erziehungsberechtigten sind oftmals sehr dankbar für unsere Arbeit und schätzen sie wert. Es ist uns wichtig, zu ihnen ein sehr konstruktives und offenes Vertrauensverhältnis aufzubauen, wenngleich nicht alle Gespräche und Entscheidungen für die Erziehungsberechtigten zu einem positiven Ergebnis führen können, da wir einige unserer Schülerinnen und Schüler bei ihrer Entlassung aus der Sprachlernklasse auch anderen Schulformen zuweisen müssen. Dennoch überwiegt das positive Miteinander, und wir machen viele neue Erfahrungen, etwa dann, wenn während eines Elterngesprächs einmal – wie dies zuletzt der Fall war – vier verschiedene Sprachen gesprochen werden (Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch) müssen, damit sich alle Beteiligten untereinander verständigen können.

Die Arbeit in unserer Sprachlernklasse findet auch über die Grenzen unserer Schule hinaus großes Interesse. So haben bereits einige Schulen, die ebenfalls eine Sprachlernklasse einrichten wollten, zuvor in unserem Unterricht hospitiert und mit uns über wichtige, offene Fragen gesprochen. Studentinnen und Studenten von Herrn Prof. Dr. Bickes, der an der Leibniz-Universität die Theorie von Deutsch als Zweitsprache lehrt, haben einen Einblick in die schulische Praxis erhalten. Und schließlich haben auch bereits unser Dezernent, Herr Dr. Stock, Frau Schröder-Köpf und Herr Weil gemeinsam mit Vertretern der Stadt Hannover den Unterricht in unserer Klasse besucht und – was uns besonders gefreut hat- an diesem sogar ‚teilgenommen‘, indem sie für unser Kunstprojekt als Interviewpartner hinsichtlich ihres Kunstgeschmacks zu Verfügung standen.

Für Fragen und Anmerkungen steht Ihnen Frau Marsall (mar(at)herschelschule.de) gern zur Verfügung.